Bis in die Abendstunden haben am Montag Schulleitungen und Elternvertreter der staatlichen Gymnasien Pforzheims hinter verschlossenen Rathaustüren mit Schulbürgermeisterin Monika Müller über mögliche Wege aus der gymnasialen Krise diskutiert. Indes formieren sich Eltern, um Stuttgart zu einem Einlenken in der für Pforzheim prekären Bildungspolitik zu bewegen. Wie der Vorsitzende der für die Kommunalwahlen am 25. Mai neu formierten Eltern-Liste, Joachim Bott, mitteilte, erwägt die Liste eine Klage gegen die Landesregierung.

Man lasse juristisch prüfen, ob Stuttgart „angesichts der evidenten Chancenungleichheiten“ der Schüler beim Zugang zum neunjährigen Gymnasium die Zahl der bisher zugelassenen 44 sogenannten Modell-Schulen im Land erhöhen müsse. Ebenso komme eine völlige Öffnung in Betracht. Sprich: Jedem Gymnasium solle es freigestellt werden, ob es G8 oder G9 anbieten will. Laut Bott sei zudem zu überprüfen, ob es sich bei G9 um einen Schulversuch oder aber um eine eigene Schulart handele.

Er glaube nicht, dass man ein Verwaltungsgericht mit dem Argument überzeuge, G9 sei ein Schulversuch, hatte Hans-Ulrich Rülke, Chef der FDP-Landtagsfraktion, vergangene Woche auf PZ-Nachfrage gesagt. Das SPD-geführte Kultusministerium wiederum beharrt darauf, dass G9 ein Schulversuch sei und „generell kein Anspruch auf Teilnahme an einem Schulversuch“ bestehe, wie Ministeriumssprecher Roland Peter der PZ sagte.

Wie berichtet, hat das Theodor-Heuss-Gymnasium (THG) als bislang einzige staatliche G9-Schule Pforzheims bereits in diesem Schuljahr neun Klassen gebildet, um dem Schüleransturm Herr zu werden. Für das kommende Schuljahr zeichnet sich eine Nachfrage von bis zu 400 Bewerbern ab. In den vom Ministerium genehmigten maximal sieben neuen Klassen könnten aber nur 210 Fünftklässler aufgenommen werden. Es würde dann also weit mehr als 100 Absagen hageln.

Autor: Claudius Erb